Trainingsplan für Westernreiten: So planst du deine Saison bis zur German Open

zuletzt aktualisiert am: 9. August 2026

Inhaltsverzeichnis

Es gibt da diesen Moment im November, wenn der Anhänger ausgewaschen an seinem Platz steht und du kurz durchrechnest, was das Jahr eigentlich gebracht hat. Sieben, acht Starts, viele Kilometer, viele Wochenenden. Und dann schleicht sich der Gedanke ein, dass du im Januar schon einmal genau hier standest.

Wenn du nicht dahin kommst, wo du eigentlich hinwillst, dann hilft oft kein zusätzliches Training, sondern dann hilft dir Struktur.

Das klingt uncharmant, ich weiß. Aber die meisten Reiterinnen und Reiter, die mit mir sprechen, weil sie das Gefühl haben, sich nicht zu entwickeln, trainieren nicht zu wenig. Sie trainieren viel, oft mehr als nötig, nur eben ohne einen konkreten Plan, der über die nächste Woche hinausreicht. Was ihnen fehlt, ist ein Trainingsplan für Westernreiten, der die ganze Saison berücksichtigt und nicht nur die nächste Woche.

Mein erstes Turnierjahr hatte kein sportliches Ziel. Ich wollte herausfinden, ob mir Turnierreiten überhaupt liegt und wie ich mich dabei schlage. Rückblickend war das kein fehlender Plan, sondern ein sauber definiertes Vorhaben. Ich habe es damals nur nicht so genannt.

Danach wurde es konkret. Ich wollte mit Angelo in die LK 3 aufsteigen, und von diesem Ziel aus habe ich rückwärts geplant: welche Turniere ich brauche, welche Disziplinen mich dorthin bringen, worauf ich mein Training ausrichte. Zum ersten Mal bin ich nicht zu Turnieren gefahren, weil sie im Kalender standen, sondern weil sie zu etwas Größerem gehörten. Der Aufstieg hat funktioniert, und wir sind danach noch eine Weile in der LK 3 weitergeritten.

Dann kam Corona. Dann der Umzug von Norddeutschland nach Bayern. Und dann ein Sehnenschaden, von dem Angelo nie wieder richtig fit geworden ist.

Ich habe lange gebraucht, um das anzunehmen. Angelo geht es gut, er steht gesund auf der Weide, aber er ist heute ein Freizeitpferd, und das wird sich nicht mehr ändern. Was daraus für mich sportlich wird, plane ich gerade neu, und ich merke dabei, dass ich genau die Struktur benutze, die ich dir in diesem Artikel zeige.

Denn was ich aus all dem gelernt habe, ist nicht, dass Planen nichts bringt. Im Gegenteil. Ein Plan hat mich damals überhaupt erst dahin gebracht, wo ich hinwollte. Was ich gelernt habe, ist, dass ein Plan zwei Dinge leisten muss: Er muss dich in eine Richtung bringen, und er muss so gebaut sein, dass du ihn neu aufsetzen kannst, wenn sich die Lage ändert. Denn sie ändert sich.

Ein Saisonplan verhindert nicht, dass etwas dazwischenkommt. Er sorgt dafür, dass du handlungsfähig bleibst, wenn es passiert.

In diesem Artikel bekommst du genau diese Struktur. Vier Phasen, mit denen du deine Saison planst: vom Ziel über die Jahresplanung und die Durchführung bis zur Auswertung. Dazu die Frage, wie du deinen Saisonhöhepunkt einplanst, egal ob er German Open, Futurity oder Bayerische Meisterschaft heißt. Und ein Trainingsplan für Westernreiten, der nicht nur beschreibt, was du reitest, sondern wofür du das machst.

Was ist ein Trainingsplan für Westernreiten?

Ein Trainingsplan für Westernreiten ist die Verbindung zwischen deinem Saisonziel und deinen einzelnen Trainingseinheiten. Er legt fest, worauf du in welcher Phase hinarbeitest, welche Turniere dazugehören und wann du dir und deinem Pferd Erholung gibst. Er beantwortet nicht nur, was du reitest, sondern wozu.

Warum scheitern Trainingspläne für Westernreiten so oft?

Trainingspläne scheitern im Westernreiten selten am Inhalt, sondern an vier Stellen: Der Plan wird vom Turnierkalender gedacht statt vom Ziel, er trainiert alles gleichzeitig statt in Phasen, er plant keine Erholung ein, und er endet mit dem letzten Ritt statt mit einer Auswertung.

Uebersicht der vier haeufigsten Planungsfehler beim Trainingsplan Westernreiten und was stattdessen hilft: erstens vom Turnierkalender statt vom Ziel planen, stattdessen vom Saisonziel rueckwaerts planen. Zweitens alles gleichzeitig trainieren, stattdessen in Phasen trainieren. Drittens keine Erholung einplanen, stattdessen Pausen fest in den Kalender schreiben. Viertens nach dem Turnier nicht auswerten, stattdessen jedes Turnier auswerten.

Die vier Planungsfehler

Woran Trainingspläne scheitern

01

Geplant wird vom Turnierkalender, nicht vom Ziel

Stattdessen: Vom Saisonziel rückwärts planen

02

Alles wird gleichzeitig trainiert

Stattdessen: In Phasen trainieren, nicht parallel

03

Erholung kommt im Plan nicht vor

Stattdessen: Pausen fest in den Kalender schreiben

04

Nach dem Turnier wird nicht ausgewertet

Stattdessen: Jedes Turnier auswerten und mitnehmen

Fehler 1: Du planst vom Turnierkalender, nicht vom Ziel

Im Januar kommen die Termine heraus, und der Kalender füllt sich fast von allein. Das Turnier im Nachbarort, weil es nah ist. Die Doubleshow, weil alle hinfahren. Die Landesmeisterschaft, weil es dazugehört. Am Ende steht ein voller Kalender, aber kein Plan, denn niemand hat die Frage gestellt, wozu diese Starts eigentlich dienen.

Die Zielforschung ist an diesem Punkt eindeutig. Locke und Latham haben über fünfunddreißig Jahre hinweg gezeigt, dass spezifische, anspruchsvolle Ziele zu deutlich besserer Leistung führen als die Aufforderung, sein Bestes zu geben, mit Effektstärken zwischen 0,42 und 0,80. Wer sich vornimmt, eine gute Saison zu reiten, hat sich nichts vorgenommen.

Im Westernreiten bekommst du das spezifische Ziel sogar frei Haus geliefert. Wer zur German Open will, braucht keine vage Vorstellung von Erfolg, sondern Platzierungen auf mehreren A+Q-Turnieren, erritten mit einem festgelegten Mindestscore. Es ist ein Ziel, das man erreichen kann.

Fehler 2: Du trainierst alles gleichzeitig

Der Spin sitzt noch nicht, die Stops sind unsauber, im Trail bist du zu schnell, und die Zirkel könnten runder sein. Also arbeitest du an allem. Jede Einheit ein bisschen Spin, ein bisschen Stop, ein bisschen Trail. Nach vier Wochen ist alles ein bisschen besser und nichts wirklich gut.

Leistungssport funktioniert in Phasen, nicht in Gleichzeitigkeit. Es gibt Wochen, in denen du an Grundlagen arbeitest, und Wochen, in denen du Turniersituationen simulierst. Es gibt Phasen, in denen dein Pferd Form aufbaut, und Phasen, in denen es sie abrufen soll. Wer diese Phasen nicht trennt, trainiert dauerhaft im Mittelfeld: nie richtig aufbauend, nie richtig zuspitzend.

Fehler 3: Du planst Belastung, aber keine Erholung

Im Frühjahr sieht der Kalender noch machbar aus. Dann kommt ein Turnier dazu, weil die Quali knapp wird, dann noch eins, weil es gut lief, und plötzlich stehen fünf Wochenenden hintereinander im Kalender. Freitag verladen, Samstag reiten, Sonntag heimfahren, Montag zurück in den Beruf. Und das fünfmal.

Was dabei passiert, ist im Sport gut untersucht. Ein internationales Expertengremium um Michael Kellmann hat 2018 in einem Konsenspapier zusammengefasst, was als gesichert gilt: Leistung entsteht nicht aus Belastung allein, sondern aus dem Verhältnis von Belastung und Erholung. Und in dieses Verhältnis zählt ausdrücklich alles hinein, was Kraft kostet, also auch Beruf, Anfahrt und Organisation, nicht nur die Zeit im Sattel.

Damit wir uns richtig verstehen: Es geht nicht darum, dass zwischen zwei Turnieren immer ein freies Wochenende liegen muss. Die Termine liegen im Sommer nun einmal dicht beieinander, bei der EWU genauso wie bei den anderen Verbänden, und manchmal ist ein Doppelwochenende schlicht der Weg, der sich anbietet. Zwei Turniere am Stück sind machbar. Es kommt darauf an, was danach passiert. Wenn nach dem Block eine echte Erholungsphase folgt, ist das ein Plan. Wenn nach dem Block gleich der nächste Block kommt, ist es keiner.

Dazu kommt der zweite Sportler in dieser Gleichung. Dein Pferd fährt jedes dieser Wochenenden mit, steht in fremden Boxen, frisst anders, schläft anders und arbeitet unter Anspannung. Es kann dir nicht sagen, dass es genug hat. Es zeigt es dir nur, und zwar meistens dann, wenn es dir am wenigsten gelegen kommt.

Vergleich von zwei Saisonverläufen mit jeweils fünf Turnierstarts über zehn Wochenenden. Variante A: fünf Turnierwochenenden direkt hintereinander, danach fünf Wochenenden ohne Turnier. Variante B: zwei Turnierwochenenden am Stück, dann zwei freie Wochenenden, ein einzelnes Turnier, zwei freie Wochenenden, wieder zwei Turniere am Stück und ein freies Wochenende. Beide Varianten haben gleich viele Starts, aber nur die zweite plant nach jedem Block ausreichend Erholung ein.

Belastung und Erholung

Gleich viele Starts, andere Wirkung

Variante A fünf Wochenenden am Stück

Variante B in Blöcken, mit Erholung nach jedem Block

Turnierwochenende freies Wochenende

Beide Varianten haben fünf Starts. Nur eine davon plant genügend Erholung und Regeneration ein.

Zwei Turnierwochenenden hintereinander sind machbar und im Sommer oft gar nicht zu vermeiden. Entscheidend ist, was danach kommt.

POV: Fünf Turnierwochenenden hintereinander sind kein Trainingsplan. Das ist Raubbau, an dir und an deinem Pferd.

Ein Saisonplan, der etwas taugt, enthält deshalb nicht nur Turniertermine, sondern auch die Wochenenden, an denen bewusst nichts stattfindet, an denen bewusst Erholung und Regeneration stattfindet.

Fehler 4: Nach dem Turnier ist der Plan zu Ende

Du packst ein, fährst heim, versorgst dein Pferd. Vielleicht ärgerst du dich noch zwei Tage, vielleicht freust du dich. Und dann kommt der nächste Trainingstag, und alles läuft weiter wie vorher.

Damit verschenkst du die wertvollste Information der ganzen Saison. Ein Turnier ist der einzige Ort, an dem du unter echten Bedingungen erfährst, was von deinem Training tatsächlich trägt. Wer diese Information nicht einsammelt, fährt im nächsten Jahr mit demselben Plan los, der schon dieses Jahr nicht funktioniert hat. Und genau das ist der Grund, warum sich manche Saison anfühlt wie die vorige.

Und warum passiert das trotzdem?

Nicht, weil Reiterinnen zu wenig wollen. Sheeran und Webb haben in ihrer Übersichtsarbeit zur Lücke zwischen Absicht und Handlung zusammengetragen, was die Forschung seit Jahrzehnten zeigt: Menschen tun regelmäßig nicht das, was sie sich vorgenommen haben, und zwar nicht aus Mangel an Motivation, sondern weil zwischen Vorsatz und Umsetzung Kräfte wirken, die niemand einplant. Der Alltag, die Erschöpfung, das Wetter, das Pferd, der Chef.

Ein Plan, der diese Kräfte nicht mitdenkt, ist kein Plan. Er ist eine Hoffnung mit Terminen.

Was passiert, wenn die Saison dich treibt statt umgekehrt

Zwei Reiterinnen oder Reiter trainieren gleich viel. Beide fahren im Sommer auf Turniere, beide arbeiten mit einem Trainer, beide reiten sauber in ihrer Leistungsklasse. Nach zwei Jahren ist die eine eine Leistungsklasse weiter und die andere genau da, wo sie angefangen hat. Wenn man dann fragt, woran das lag, hört man meistens etwas über Talent, über das Pferd oder über Glück bei der Richterbesetzung.

Die Sportpsychologie sieht das anders. Timothy Cleary und Barry Zimmerman haben 2001 untersucht, was Basketballspieler unterscheidet, die auf sehr unterschiedlichem Niveau spielen. Sie haben dabei nicht die Würfe gemessen, sondern das Denken drumherum: Was nehmen sich die Spieler vor dem Wurf vor, worauf achten sie währenddessen, und wie erklären sie sich danach das Ergebnis. Das Ergebnis war deutlich. Die Besseren setzten sich spezifischere Ziele, wählten Strategien, die sich auf die Technik bezogen, und erklärten sich einen misslungenen Wurf über die gewählte Vorgehensweise statt über eigene Unfähigkeit.

Ich glaube nach allem, was ich in der Halle und auf dem Turnierplatz sehe, nicht, dass die eine Reiterin mehr Talent hat als die andere. Was sie unterscheidet, ist ein Kreislauf, den die einen bewusst durchlaufen und die anderen nicht: Ich nehme mir etwas Konkretes vor, ich setze es um, ich schaue mir das Ergebnis an, und daraus entsteht das nächste Vorhaben.

Zimmerman hat genau diesen Kreislauf beschrieben, mit drei Phasen. Vorausdenken, Handeln, Auswerten. Und das Entscheidende daran ist die Rückführung: Die Auswertung ist kein Abschluss, sondern der Startpunkt für den nächsten Durchgang.

Was ich daran im Reitsport so nützlich finde, ist die Reichweite. Dieser Kreislauf funktioniert auf jeder Zeitebene. Er beschreibt eine einzelne Trainingseinheit genauso wie eine ganze Saison. Wenn du morgen in die Halle gehst und dir vornimmst, den Übergang vom großen schnellen in den kleinen langsamen Zirkel weicher hinzubekommen, wenn du danach eine Viertelstunde genau daran arbeitest und dir hinterher überlegst, ob die Hilfe zu spät kam oder das Tempo davor schon zu hoch war, dann hast du den Kreislauf einmal durchlaufen. Ein Saisonplan ist nichts anderes. Nur dass eine Umdrehung nicht eine Viertelstunde dauert, sondern ein Jahr.

Wer diesen Kreislauf nicht schließt, trainiert trotzdem. Er trainiert nur ohne Rückmeldung, und ohne Rückmeldung wiederholt man Fehler mit großer Zuverlässigkeit.

Warum ein Plan dich nach schlechten Ritten schützt

Es gibt einen zweiten Punkt, der weniger bekannt ist und im Turnieralltag mindestens genauso wichtig.

Die Motivationsforschung unterscheidet zwei Muster, wie Menschen auf Rückschläge reagieren. Julius Kuhl nennt sie Lageorientierung und Handlungsorientierung.

Lageorientiert heißt, dass die Gedanken nach einem misslungenen Ritt bei diesem Ritt hängen bleiben. Du gehst ihn auf dem Weg zur Box noch einmal durch, dann beim Versorgen deines Pferdes, dann im Auto, und abends im Bett läuft er wieder. Immer mit demselben Ergebnis: hätte ich vor dem Stop nur nicht noch nachgetrieben, hätte ich ihn im großen Zirkel einfach laufen lassen statt ständig zu korrigieren, warum habe ich vor der Stange im letzten Moment noch etwas geändert.

Handlungsorientiert heißt nicht, dass dich der Ritt kalt lässt. Der Ärger ist derselbe. Der Unterschied liegt darin, wie schnell du dich davon lösen und wieder in Richtung Handeln kommen kannst. Die Frage verschiebt sich von „warum ist das passiert“ zu „was heißt das für Dienstag“. Beide Muster sind völlig normal, und wozu jemand stärker neigt, ist zu einem guten Teil Veranlagung. In der Sportpsychologie gilt Handlungsorientierung allerdings als einer der Faktoren, die unter Druck den Unterschied machen.

Und genau hier liegt ein Wert von Saisonplanung, über den kaum jemand spricht.

Stell dir den Sonntagabend nach einem Turnier vor, das nicht gelaufen ist. Du bist müde, du bist enttäuscht, das Pferd steht wieder im Stall, und irgendwann kommt die Frage: Was mache ich denn jetzt?

Das Problem ist nicht die Frage. Das Problem ist der Zeitpunkt. An diesem Sonntagabend bist du genau in dem Zustand, den Kuhl lageorientiert nennt. Dein Blick liegt auf diesem einen Turnier, nicht auf der Saison. Du bist erschöpft, und du bist enttäuscht. Wer in dieser Lage entscheidet, wie es weitergeht, entscheidet fast zwangsläufig extrem, und zwar in eine von zwei Richtungen.

Die erste Richtung heißt: Jetzt erst recht. Du nimmst dir vor, genau das, was schiefgegangen ist, ab morgen jeden Tag zu üben. Drei Wochen später ist die Übung verschlissen, dein Pferd verspannt sich schon, wenn es merkt, was jetzt kommt, und es ist eher schlechter geworden als besser.

Die zweite Richtung heißt: Dann eben nicht. Du meldest das nächste Turnier ab, weil es sich gerade sinnlos anfühlt, und wenn du im Herbst zurückschaust, war das der Punkt, an dem die Saison eigentlich vorbei war.

Beide Entscheidungen fallen abends um halb elf, von einem Menschen, der gerade den schlechtesten Überblick des ganzen Jahres hat.

Mit einem Saisonplan fällt diese Entscheidung nicht an diesem Abend. Sie ist längst gefallen, im Januar, als du ausgeruht warst, das ganze Jahr vor dir liegen hattest und wusstest, wohin die Saison laufen soll. Im Plan steht, dass jetzt zwei ruhige Wochen kommen, dass der nächste Start in vier Wochen ansteht und woran ihr bis dahin arbeitet. Du musst am Sonntagabend gar nichts entscheiden. Du musst nur nachschauen.

Der Plan trifft die Entscheidung, solange du klar denken kannst, und er hält sie fest für den Moment, in dem du es nicht kannst.

Dein Pferd hat auch einen Saisonkalender

Bis hierhin ging es um dich. Um deine Ziele, deine Planung, deinen Sonntagabend. Nur sitzt du in diesem Sport nicht allein in der Bahn, und der zweite Sportler in dieser Rechnung hat den Turnierkalender nie gesehen.

Dein Pferd baut Form auf und wieder ab, und zwar nicht in deinem Rhythmus, sondern in seinem. Es hat ein Trainingsalter, das mit seinem Lebensalter nur bedingt zu tun hat. Ein Neunjähriger, der seit fünf Jahren regelmäßig auf Turnieren läuft, verkraftet eine dichte Saison anders als ein Neunjähriger, der bisher fast nur zu Hause gearbeitet wurde und im letzten Jahr sein erstes Turnier gesehen hat. Und keins von beiden hält Höchstform über zehn Monate. Form ist ein Zustand, kein Besitz.

Dazu kommt das, was auf keiner Scorekarte auftaucht. Alice Schmidt und ihr Team am Graf Lehndorff Institut haben gemessen, was Transport mit Pferden macht: Der Cortisolspiegel im Speichel steigt schon mit dem Losfahren, und die Herzfrequenzvariabilität verändert sich in einer Weise, die eindeutig auf Stress hindeutet. Wie stark, hängt vor allem von der Fahrtdauer ab.

Interessant ist der zweite Teil dieser Forschung, weil er die Sache differenziert. In einer weiteren Untersuchung wurden Pferde, die vorher nie transportiert worden waren, viermal dieselbe Strecke gefahren. Mit jeder Fahrt fiel die Cortisolausschüttung geringer aus. Pferde gewöhnen sich also tatsächlich an das Fahren, und ein routiniertes Turnierpferd steigt entspannter ein als eins, das den Hänger kaum kennt. Verschwunden ist die Reaktion allerdings auch nach der vierten Fahrt nicht.

Genau so würde ich es auch einordnen. Eine Turnierfahrt ist für ein erfahrenes Pferd kein Drama, und niemand muss deshalb zu Hause bleiben. Sie ist aber eben auch nicht nichts, und sie kommt zu allem anderen dazu: fremde Box, anderes Wasser, Lärm, Nachbarpferde, die es nicht kennt, und ein Arbeitspensum unter Anspannung. Fünf solcher Wochenenden hintereinander summieren sich, auch wenn dein Pferd beim fünften Mal genauso brav einsteigt wie beim ersten.

Der Unterschied zu dir ist, dass dein Pferd all das nicht verhandeln kann. Es kann dir nicht sagen, dass es diese Woche gern zu Hause bliebe. Es kann es dir nur zeigen, meistens später, als dir lieb ist, und meistens deutlicher.

Deshalb ist Saisonplanung im Westernreiten nicht nur ein Werkzeug für deine eigene Entwicklung. Sie ist die einzige Möglichkeit, die Belastung deines Pferdes bewusst zu steuern statt sie hinterher festzustellen. Ein Plan, in dem die Erholungsphasen deines Pferdes genauso fest stehen wie die Turniertermine, bremst dich nicht aus. Er sorgt dafür, dass ihr beide auch in zwei Jahren noch zusammen auf einem Turnierplatz steht. Dein Pferd spürt, wenn du müde bist: Warum Erholung entscheidet, ob du im Turnier ablieferst

Die vier Phasen deiner Saison

Was jetzt kommt, ist der praktische Teil. Vier Phasen, die du in dieser Reihenfolge durchläufst, und die am Ende wieder von vorn beginnen.

Der Vier-Phasen-Kreislauf der Saisonplanung im Westernreiten: Phase eins Ziel definieren, Phase zwei Planen, Phase drei Durchführen, Phase vier Auswerten. Die Auswertung führt zurück zur Zieldefinition der nächsten Saison. Ein Trainingsplan im Westernreiten ist damit kein Zeitstrahl mit Anfang und Ende, sondern ein Kreislauf, der sich jede Saison wiederholt.

Der Saisonkreislauf

Vier Phasen, die ineinander laufen

Deine Saison läuft im Kreis, nicht auf einer Linie 01 Ziel definieren 02 Planen 03 Durchführen 04 Auswerten

Die Auswertung ist kein Abschluss. Sie ist der Start deiner nächsten Saison.

Der Reiz daran ist, dass keine dieser Phasen kompliziert ist. Du musst dafür nichts Neues lernen und keine Stunde mehr trainieren. Es reicht, die vier Schritte nacheinander zu gehen statt alle auf einmal, und genau daran scheitert es in der Praxis fast immer.

Phase 1: Ein Ziel definieren, nicht fünf

Die meisten Saisonziele, die ich höre, sind eigentlich Wunschlisten. Besser werden, sicherer im Trail, endlich mal eine ordentliche Reining, mehr Spaß, weniger Aufregung, und wenn es gut läuft, vielleicht der Aufstieg. Das ist alles nachvollziehbar.

Ein Saisonziel ist eine Entscheidung, und Entscheidungen tun ein bisschen weh. Du legst dich auf eine Sache fest und lässt andere für dieses Jahr liegen.

Und genau daran merkst du, ob dein Ziel eines ist: Ein echtes Saisonziel beantwortet dir die Frage, was du am Dienstagabend in der Halle machst. Bei „besser werden“ weißt du es nicht. Bei „konstant über 67 im Trail“ weißt du es sofort.

Hilfreich ist dabei eine Unterscheidung, die Kieran Kingston und Lew Hardy 1997 an Golfern untersucht haben. Sie trennen Ergebnisziele, Leistungsziele und Prozessziele. Ein Ergebnisziel ist die Platzierung, also etwas, das auch davon abhängt, wer sonst noch startet. Ein Leistungsziel ist deine eigene messbare Leistung, unabhängig von der Konkurrenz. Ein Prozessziel beschreibt, was du im Ritt konkret tust. Über ein Jahr hinweg zeigte sich in ihrer Untersuchung, dass besonders die prozessorientierte Gruppe profitierte, unter anderem bei Konzentration und beim Umgang mit Wettkampfangst.

Für deine Saison heißt das ganz praktisch:

Ergebnisziel: Ich will die Landesmeisterschaft in meiner Klasse gewinnen. Nicht in deiner Hand.

Leistungsziel: Ich will im Trail konstant über 67 punkten. In deiner Hand, messbar, und im Westernsport sogar von den Verbänden bereits vorgegeben.

Prozessziel: Ich reite jede Stange im gleichen Tempo an, statt vor der letzten zu korrigieren. Das ist der Satz, an den du dich im Ritt tatsächlich erinnern kannst.

Die drei Ebenen schließen sich nicht aus, aber das Ergebnisziel gehört nach hinten und die anderen beiden nach vorn. Und beim Ergebnisziel bleibt es bei einem einzigen für die ganze Saison.

Wie du daraus ein Ziel machst, das trägt, habe ich in einem eigenen Artikel ausführlich beschrieben: Ziele setzen im Reitsport: Schluss mit Enttäuschung nach dem Turnier

Phase 2: Die Saison planen, rückwärts

Jetzt kommt der Kalender, aber nicht so, wie du ihn gewohnt bist. Du fängst nicht im Januar an und arbeitest dich nach vorn. Du fängst bei deinem Saisonhöhepunkt an und arbeitest dich rückwärts.

Drei Fragen strukturieren diese Phase:

Wann ist mein Höhepunkt, und was brauche ich, um dort zu starten? Das ist der Fixpunkt, um den herum alles andere gebaut wird. Bei den meisten Verbänden bedeutet das nicht nur ein Datum, sondern auch einen Weg dorthin über mehrere Turniere. Dazu gleich mehr im nächsten Abschnitt.

Welche Turniere sind wofür da? Nicht jeder Start hat denselben Zweck. Ein Turnier im Frühjahr kann dazu dienen, dein Pferd wieder an die Atmosphäre zu gewöhnen, ohne dass das Ergebnis zählt. Ein anderes ist eine Qualifikation, bei der es wirklich um die Platzierung geht. Wenn du das vorher festlegst, weißt du am Turniertag, worauf du schaust. Und du ärgerst dich nicht über ein mittelmäßiges Ergebnis bei einem Start, der nie dafür gedacht war.

Wo ist mein Puffer? Das ist der Punkt, den fast alle unterschätzen, und die Forschung erklärt auch, warum. Roger Buehler und seine Kollegen haben 1994 beschrieben, was sie den Planungsfehlschluss nennen: Menschen sagen systematisch zu optimistisch voraus, wie lange etwas dauert. In ihrer bekanntesten Untersuchung sollten Studierende schätzen, wann sie ihre Abschlussarbeit fertig hätten. Im Mittel lagen sie bei gut 34 Tagen. Gebraucht haben sie im Schnitt 55. Und selbst die pessimistische Schätzung, also die Antwort auf die Frage, wie lange es dauert, wenn alles schiefgeht, lag noch unter der tatsächlichen Zeit.

Im Turnieralltag heißt das: Wer genau so viele Starts einplant, wie er Platzierungen braucht, plant nach der Version des Jahres, in der nichts dazwischenkommt. Diese Version gibt es nicht. Dein Pferd hat vierzehn Tage vorher ein Hufgeschwür, ein Turnier wird abgesagt, du liegst mit Fieber flach, oder ihr habt schlicht einen Tag, an dem nichts zusammenpasst und die Platzierung ausbleibt. Plane für zwei nötige Platzierungen drei oder vier Starts ein, und der Sommer wird ein anderer.

Und noch etwas gehört in diese Phase, obwohl es in keinem Trainingsplan steht: dein Leben drumherum. Wann hast du Urlaub, wann ist im Job Hochsaison, wann kann dein Trainer, wann fährt jemand mit, und wann bist du schlicht nicht im Stall. Ein Plan, der diese Wochen nicht kennt, geht schon im Mai nicht mehr auf, und du hältst dich dann für undiszipliniert, obwohl du nur schlecht geplant hast.

Phase 3: Durchführen, auch wenn es anders kommt

Ein Plan, den du im Januar schreibst, trifft im April auf die Wirklichkeit. Das ist kein Fehler im Plan, das ist der Normalfall. Die Frage ist nur, ob du dafür vorgesorgt hast.

Das wirksamste Werkzeug dafür ist erstaunlich schlicht. Peter Gollwitzer und Paschal Sheeran haben 2006 die Forschung zu sogenannten Wenn-Dann-Plänen zusammengefasst, über 94 einzelne Untersuchungen hinweg. Der Kern: Wer nicht nur formuliert, was er erreichen will, sondern zusätzlich festlegt, in welcher konkreten Situation er was genau tun wird, setzt seine Vorhaben deutlich zuverlässiger um. Der Effekt war mittel bis groß.

Der Unterschied liegt darin, dass die Entscheidung schon getroffen ist, wenn die Situation eintritt. Du musst dann nicht überlegen, du erkennst nur wieder.

Für deine Saison sieht das so aus:

Wenn mein Pferd zwei Wochen ausfällt, dann streiche ich das nächste Turnier und behalte das übernächste, statt beide zu riskieren.

Wenn es an einem Trainingstag nicht rundläuft, dann höre ich mit einer einfachen Übung auf, die sicher gelingt, statt es zu erzwingen.

Wenn ich zwei Wochen kaum in den Stall komme, dann bekommt mein Pferd bewusst frei, statt dass ich es in vier Tagen aufhole.

Wenn ich beim Warmreiten merke, dass mein Pferd heute angespannt ist, dann ist mein Ziel für diesen Ritt die Ruhe und nicht die Punktzahl.

Diese Sätze schreibst du einmal auf, im Januar, zusammen mit dem Plan. Nicht im Sommer, wenn die Situation da ist.

Dazu kommt eine kleine Gewohnheit, die den Plan überhaupt am Leben hält: eine feste Zwischenkontrolle. Einmal im Monat, zwanzig Minuten, ein Blick auf den Plan und drei Fragen. Läuft es noch so, wie ich es mir gedacht habe? Was hat sich verändert? Was passe ich an? Ohne diesen Termin verschwindet jeder Saisonplan spätestens im Juni in einer Schublade, und im November weißt du nicht mehr, was eigentlich drinstand.

Phase 4: Auswerten, auch wenn es gut lief

Die letzte Phase ist die, die am häufigsten ausfällt, und sie ist die einzige, die den Kreislauf schließt. Ohne sie war deine Saison ein Jahr Erfahrung. Mit ihr wird sie zur Grundlage für die nächste.

Wie so eine Auswertung aussehen sollte, hat Shmuel Ellis mit Soldaten untersucht, die über mehrere Tage hinweg Navigationsaufgaben lösen mussten. Eine Gruppe besprach nach jedem Tag nur das, was schiefgegangen war. Die andere besprach beides, die Fehler und das, was funktioniert hatte. Die zweite Gruppe wurde messbar besser.

Das ist ein Befund, den ich im Reitsport ausgesprochen wichtig finde, weil wir hier alle dazu neigen, ausschließlich über Fehler zu sprechen. Nach dem Ritt weißt du sofort, was nicht geklappt hat. Was gut war, verschwindet meistens innerhalb weniger Minuten, und damit verschwindet auch die Information, warum es gut war. Genau die brauchst du aber, wenn du es wiederholen willst.

Eine brauchbare Auswertung läuft deshalb in zwei Schritten, und die Trennung ist wichtiger, als sie klingt.

Schritt eins, noch am Turnier oder auf der Heimfahrt: sammeln, nicht bewerten. Du hältst fest, was war. Wie hat sich dein Pferd beim Abreiten angefühlt, an welcher Stelle im Pattern ist es gekippt, wie viel Zeit hattest du wirklich, wie war die Halle, wie warst du drauf. Stichworte reichen, zwei Minuten ins Handy diktiert genügen. Das muss früh passieren, weil Erinnerungen verblassen und sich verformen. Nach drei Tagen weißt du noch, dass es schlecht war, aber nicht mehr, woran genau du es gemerkt hast.

Schritt zwei, ein paar Tage später: bewerten und entscheiden. Jetzt nimmst du deine Notizen und stellst dir vier Fragen:

– Was hat funktioniert, und woran lag es? – Was hat nicht funktioniert, und woran lag es? – Was davon lag an der Vorbereitung, was an der Tagesform, was an der Situation? – Was heißt das konkret für die nächsten vier Wochen?

Warum nicht alles am Sonntagabend? Weil du dann wieder genau die Person bist, die ich weiter oben beschrieben habe: müde, enttäuscht oder euphorisch, und in beiden Fällen ein schlechter Analyst. Sammeln kannst du in diesem Zustand. Entscheiden solltest du nicht. Der Mittwoch danach ist für Schritt zwei fast immer der bessere Tag.

Die dritte Frage ist die unbequemste und die wichtigste. Sie unterscheidet zwischen dem, was du beeinflussen kannst, und dem, was du hinnehmen musst. Wer diese Trennung nicht macht, trainiert entweder gegen Dinge an, die nicht zu ändern sind, oder er übersieht die, die es wären.

Und weil das schriftlich deutlich besser funktioniert als im Kopf, habe ich dafür ein eigenes Verfahren entwickelt, mit dem du deine Erwartung vor dem Turnier festhältst und sie danach mit dem tatsächlichen Verlauf abgleichst. Wie das genau geht, steht in einem eigenen Artikel: Reittagebuch führen: Der fehlende Schritt, der aus Notizen Fortschritt macht

Damit ist der Kreislauf geschlossen. Was du in der Auswertung findest, ist der Rohstoff für dein nächstes Saisonziel, und die Runde beginnt von vorn.

Deinen Saisonhöhepunkt richtig einplanen

Bis hierhin ging es um das Prinzip. Jetzt wird es konkret, denn die Saisonplanung im Westernreiten hat eine Besonderheit, die dir die Arbeit abnimmt: Der Fixpunkt steht schon fest, und der Weg dorthin ist geregelt.

Zeitstrahl der Saisonplanung im Westernreiten, geplant wird rückwärts vom Saisonhöhepunkt. Die Stationen in zeitlicher Reihenfolge: Saisonstart, das Ziel steht fest. Aufbauphase, kein Ergebnisdruck. Qualifikationsphase, Platzierungen sammeln mit eingeplantem Puffer. Nennschluss, liegt meist Wochen vor dem Turnier. Feinabstimmung, nichts Neues mehr beginnen. Saisonhöhepunkt.

Rückwärtsplanung

Der Höhepunkt steht fest, alles andere richtet sich danach

So planst du: rückwärts vom Höhepunkt Saisonstart Ziel steht fest Aufbauphase kein Ergebnisdruck Qualifikation Platzierungen und Puffer Nennschluss liegt oft Wochen vorher Feinabstimmung nichts Neues mehr Saison- höhepunkt
  1. SaisonstartZiel steht fest
  2. Aufbauphasekein Ergebnisdruck
  3. QualifikationPlatzierungen und Puffer
  4. Nennschlussliegt oft Wochen vorher
  5. Feinabstimmungnichts Neues mehr
  6. Saisonhöhepunkthier beginnt deine Planung

Erst steht dein Jahresziel. Der Weg dorthin ergibt sich daraus.

Welchem Verband du angehörst, spielt dabei weniger Rolle, als du denkst. Ob dein Ziel die German Open der EWU ist, eine Futurity, die Deutsche Meisterschaft der NRHA Germany oder die Bayerische Meisterschaft: Von außen sehen diese Systeme unterschiedlich aus, in ihrer Struktur sind sie sich sehr ähnlich. Vier Größen bestimmen deine Planung.

Erstens: Dein Höhepunkt hat einen festen Platz im Kalender. Er wandert nicht, und du kannst ihn nicht verschieben. Alles andere richtet sich danach.

Zweitens: Der Weg dorthin läuft über mehrere Turniere, nicht über eines. In fast allen Systemen sammelst du über die Saison hinweg Platzierungen, Punkte oder Nominierungen. Das ist der Grund, warum Saisonplanung im Westernsport keine Kür ist. Ein einzelner guter Tag reicht nicht.

Drittens: Es gibt eine Leistungsschwelle. Mindestscore, Platzierung, Punktestand. Und das ist, wie im Abschnitt über die Ziele beschrieben, dein geschenktes Leistungsziel.

Viertens: Der Nennschluss kommt früher, als du denkst. Er liegt regelmäßig Wochen vor dem Turnier, und damit oft bevor die Qualifikationsphase vorbei ist. Du nennst also in einem Moment, in dem noch nicht alles feststeht.

Wenn du diese vier Größen für deinen Verband kennst, hast du alles, was du für die Rückwärtsplanung brauchst.

Wie das konkret aussieht, am Beispiel der EWU

Die EWU-Qualifikation zur German Open eignet sich als Rechenbeispiel besonders gut, weil sie viele Reiter betrifft und weil man an ihr sieht, wie so eine Planung entsteht.

Qualifiziert wird dort der Reiter, nicht das Pferd. Der klassische Weg läuft über Platzierungen auf A+Q-Turnieren, wobei die Anzahl davon abhängt, mit wie vielen Pferden du starten möchtest. Dazu kommt ein Mindestscore, der je nach Disziplin und Altersklasse des Pferdes festgelegt ist. Ein zweiter Weg führt über die Landesmeisterschaft, wo sich Meister und Zweitplatzierter qualifizieren, sofern der Score erreicht wurde. Der Drittplatzierte bekommt eine halbe Qualifikation. Wer amtierender Deutscher Meister oder Vorjahressieger seiner Disziplin ist, ist automatisch dabei.

Aus diesen Regeln entsteht deine Planung fast von selbst:

– Wie viele Platzierungen brauche ich für die Anzahl Pferde, mit denen ich starten will? – Wie viele Starts plane ich dafür ein? Und hier kommt der Puffer aus Phase 2 ins Spiel: Plane mehr Starts, als du Platzierungen brauchst. – Welcher Mindestscore gilt für meine Disziplin und das Alter meines Pferdes? Das ist ab jetzt meine Zahl. – Ist die Landesmeisterschaft für mich ein realistischer zweiter Weg, oder ist sie nur ein weiterer Start? – Wann ist Nennschluss, und was mache ich, wenn bis dahin eine Platzierung fehlt?

Auf die letzte Frage gibt der Verband selbst eine pragmatische Antwort: Nenne vollständig, auch wenn dir noch etwas fehlt. Prüfungen, für die die Qualifikation am Ende nicht erreicht wird, werden ohnehin aus der Nennung entfernt. Wer aus Vorsicht gar nicht erst nennt, hat sich die Tür schon zugemacht.

Die anderen Verbände im Überblick

VerbandSaisonhöhepunktZugangDetails
EWUGerman Open mit Deutscher Meisterschaft, im Spätsommer in KreuthPlatzierungen auf A+Q-Turnieren, Landesmeisterschaften, Mindestscoresewu-bund.com
NRHA GermanyBreeders Derby, Hot Summer Show mit Deutscher Meisterschaft, Breeders Futurityüber die einzelnen Shows und Nennungen, dazu Qualifikation zu den European Affiliate Championshipsnrha.de
DQHAFuturity und Maturity, zuletzt im Rahmen der Quarter Horse EuropameisterschaftNennung mit eigenen Fristen, Futurityordnung des Verbandsdqha.de
VWB (Bayern)Internationale Bayerische Meisterschaft, dazu die VWB Serieseigene Qualifikationen zur Series, Jahreswertung über die Saisonwesternriding-online.de

Die Details ändern sich von Jahr zu Jahr, die Struktur nicht. Prüfe die aktuellen Bedingungen deines Verbands, bevor du planst, und trag dir den Nennschluss in den Kalender ein, sobald er bekannt ist.

Stand: Saison 2026

Aktuelle Termine und Zahlen

  • German Open: 9. bis 20. September 2026, Gut Matheshof in Kreuth
  • Nennschluss: 16. August 2026, Nennstart war der 13. Juli
  • Nenngebühren: zu überweisen bis 1. September 2026
  • Mindestscores: je nach Disziplin und Altersklasse zwischen 65 und 70

Diese Angaben ändern sich jährlich. Prüfe die verbindlichen Bedingungen vor deiner Planung immer direkt beim Verband. Termine der anderen Verbände findest du in der Übersicht weiter oben.

Die letzten Wochen vor dem Höhepunkt

Was in diesen Wochen zählt, ist vor allem, was du nicht mehr tust. Kein neues Thema anfangen, keine Baustelle aufmachen, die bis dahin nicht fertig wird. Was jetzt noch nicht sitzt, sitzt in vier Wochen auch nicht, und der Versuch macht es meistens schlechter statt besser.

(Später ergänzen, sobald B4 steht: Verweis auf „Großes Turnier mental meistern“)

Was dir ein Trainingsplan wirklich bringt

Vier Phasen, ein Kreislauf, ein Höhepunkt, von dem aus rückwärts gerechnet wird. Klingt nach viel Struktur für einen Sport, den die meisten von uns angefangen haben, weil sie gern draußen bei ihrem Pferd sind.

Der Punkt ist aber ein anderer, und ich glaube, er wird selten so ausgesprochen: Geplant wird deine Saison ohnehin. Die Frage ist nur, von wem.

Ohne Plan übernehmen das andere. Der Turnierkalender, weil er nun einmal so aussieht, wie er aussieht. Die Stallgemeinschaft, weil alle zu diesem einen Turnier fahren. Der Ärger vom letzten Wochenende, weil er lauter ist als alles andere. Und die Quali, weil sie irgendwann knapp wird und dich dann in fünf Wochenenden hintereinander treibt, die du dir so nie vorgenommen hättest.

Ein Saisonplan nimmt dir nichts weg. Er gibt dir die Entscheidung zurück. Du legst fest, wozu du auf ein Turnier fährst, was dieser Start leisten soll und was er nicht leisten muss. Du entscheidest im Januar, wie viele Wochenenden im Sommer belastbar sind, statt es im Juli zu merken. Und wenn etwas schiefgeht, und es wird etwas schiefgehen, dann triffst du die nächste Entscheidung nicht aus dem Frust heraus, sondern schaust nach, was du dir vorgenommen hast.

Das ist der Unterschied zwischen einer Saison, die dir passiert, und einer Saison, die du reitest.

Und im nächsten Januar wirst du nicht dastehen und rechnen, was das Jahr eigentlich gebracht hat. Du wirst es wissen, weil du es aufgeschrieben hast, und du wirst genau daraus dein nächstes Ziel bauen.

Ich mache das übrigens gerade selbst. Angelo geht es gut, nur eben nicht mehr auf dem Turnierplatz, und wie es für mich sportlich weitergeht, ist offen. Aber die Frage stelle ich nicht abends aus dem Bauch heraus. Ich behandle sie als das, was sie ist: als Projekt, für das es einen Plan braucht.

Dieser Artikel ist Teil meiner Serie zum Mentaltraining im Westernreiten. Wenn du wissen willst, welches Thema für dich gerade das richtige ist, findest du im Übersichtsartikel eine Einordnung: Mentaltraining für Westernreiten: souverän in der Showarena

Dein nächster Schritt

Mach aus deinem nächsten Turnier eine Erkenntnis

Die vierte Phase ist die, die am häufigsten ausfällt, und genau sie schließt den Kreislauf. Mit dem Prognose- und Feedbackbogen hältst du vor dem Turnier fest, was du erwartest, und gleichst es danach mit dem ab, was wirklich passiert ist. So wird aus einem Wochenende auf dem Turnierplatz eine Grundlage für deine nächsten vier Wochen.

Zum Prognose- und Feedbackbogen →

Dein nächster Schritt

Mach aus deinem nächsten Turnier eine Erkenntnis

Die vierte Phase ist die, die am häufigsten ausfällt, und genau sie schließt den Kreislauf. Mit dem Prognose- und Feedbackbogen hältst du vor dem Turnier fest, was du erwartest, und gleichst es danach mit dem ab, was wirklich passiert ist. So wird aus einem Wochenende auf dem Turnierplatz eine Grundlage für deine nächsten vier Wochen.

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Häufige Fragen zum Trainingsplan für Westernreiten

Wie erstelle ich einen Trainingsplan fürs Westernreiten?

Beginne nicht beim Turnierkalender, sondern bei deinem Saisonziel. Lege dann fest, wann dein Höhepunkt ist, welche Turniere welchen Zweck haben und wo deine Erholungsphasen liegen. Erst danach planst du die einzelnen Trainingsinhalte. Ein Plan, der nur Termine enthält, ist ein Kalender, kein Trainingsplan.

Wie viele Turniere pro Saison sind sinnvoll?

Das hängt weniger von der Anzahl ab als von der Verteilung. Entscheidend ist, dass nach einem Block von höchstens zwei Turnierwochenenden eine echte Erholungsphase folgt. Plane außerdem mehr Starts ein, als du Platzierungen brauchst, weil ein ausgefallenes Turnier oder ein lahmes Pferd sonst deine ganze Qualifikation kippt.

Wann sollte ich mit der Vorbereitung auf die German Open beginnen?

Faktisch mit dem Saisonstart, weil die Qualifikation über Platzierungen auf mehreren Turnieren läuft und sich über die ganze Saison verteilt. Wichtig ist außerdem der Nennschluss: Er liegt Wochen vor dem Turnier und häufig, bevor deine letzten Quali-Chancen gelaufen sind.

Was mache ich, wenn mein Saisonplan nicht aufgeht?

Dann greift der Plan erst richtig. Lege schon beim Planen fest, was du in typischen Störfällen tust, etwa bei einem Ausfall deines Pferdes oder einem abgesagten Turnier. Solche Wenn-Dann-Regeln verhindern, dass du die Entscheidung ausgerechnet am Sonntagabend nach einem enttäuschenden Turnier triffst.

Ist Mentaltraining nicht nur etwas für Reiter mit Turnierangst?

Nein. Der größte Teil des Mentaltrainings im Leistungssport besteht aus Planung, Zielarbeit und Auswertung. Wettkampfangst ist ein Thema davon, nicht das Thema. Wer im Training gut reitet und auf dem Turnier stagniert, hat meistens kein Angstproblem, sondern eine Lücke in einer dieser vier Phasen.

Quellen

Ziele und Planung

  • Locke, E. A. & Latham, G. P. (2002). Building a practically useful theory of goal setting and task motivation. American Psychologist, 57(9), 705–717. https://doi.org/10.1037/0003-066X.57.9.705
  • Kingston, K. M. & Hardy, L. (1997). Effects of different types of goals on processes that support performance. The Sport Psychologist, 11(3), 277–293. https://doi.org/10.1123/tsp.11.3.277
  • Buehler, R., Griffin, D. & Ross, M. (1994). Exploring the „planning fallacy“: Why people underestimate their task completion times. Journal of Personality and Social Psychology, 67(3), 366–381. https://doi.org/10.1037/0022-3514.67.3.366

Umsetzung und Selbstregulation

Auswertung

Belastung, Erholung und Pferd

  • Kellmann, M. et al. (2018). Recovery and Performance in Sport: Consensus Statement. International Journal of Sports Physiology and Performance, 13(2), 240–245. https://doi.org/10.1123/ijspp.2017-0759
  • Schmidt, A., Möstl, E., Wehnert, C., Aurich, J., Müller, J. & Aurich, C. (2010). Cortisol release and heart rate variability in horses during road transport. Hormones and Behavior, 57(2), 209–215. https://doi.org/10.1016/j.yhbeh.2009.11.003
  • Schmidt, A., Hödl, S., Möstl, E., Aurich, J., Müller, J. & Aurich, C. (2010). Cortisol release, heart rate, and heart rate variability in transport-naive horses during repeated road transport. Domestic Animal Endocrinology, 39(3), 205–213. https://doi.org/10.1016/j.domaniend.2010.06.002

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MentaltGut Training für Westernreiter

Über die Autorin

Michaela Wiesenbacher
Zertifizierte Sportmentaltrainerin · MentalGut.com

Michaela Wiesenbacher ist zertifizierte Sportmentaltrainerin (DMA · DBVS) und selbst aktive Westernreiterin. Was sie heute lehrt, hat sie selbst erlebt: wie Anspannung auf Turnieren direkt auf ihr Pferd übergeht und wie die richtigen mentalen Werkzeuge das von Grund auf verändern. Mit MentalGut begleitet sie ambitionierte Reiterinnen und Reiter dabei, mentale Stärke systematisch aufzubauen: wissenschaftlich fundiert, praxisnah und mit tiefem Verständnis für die besonderen Herausforderungen im Pferdesport.

DMA zertifiziert * DBVS Mitglied * EWU Bayern Sponsor * EWU Baden-Württemberg Sponsor
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