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Ich empfand mich schon immer als eher ruhig und zurückhaltend. Was von außen vielleicht gelassen wirkte, war innen oft das Gegenteil und nirgendwo hat mich das mehr beschäftigt als auf dem Turnier.
Ich erinnere mich noch gut. Bereits Stunden vor dem Start, ich war noch nicht mal in der Nähe der Showarena, und mein Körper hat schon längst reagiert. Herzrasen, Hände und Beine zittern, die Konzentration ist irgendwo nur nicht bei mir und ich konnte gar keinen richtigen Gedanken fassen. Mein Pferd war unruhig, schwer zu reiten und war super unaufmerksam. Ich dachte damals, dass ich einfach nur mehr Übung brauche. Aber mehr Übung war nciht der Gamechanger.
Das zu erkennen, hat mich Zeit und viel Lehrgeld gekostet. Erst mit dem thema Sportmwntaltraining hatte ich WErkzeuge und Methodan an der Hand, mit denen ich ruhiger und selbstbewusster wurde. Und je gelassener ich wurde, desto besser wurden unsere gemeinsamen Prüfungen.
Was mich bis heute antreibt, ist aber noch etwas anderes: Ich sehe auf Turnieren immer wieder Reiter, die ihre Anspannung und Enttäuschung am Pferd abladen zm Beispiel auf dem Abreiteplatz, beim Verladen. Das Pferd jedoch reagiert nur auf das, was wir ihm geben. Mentaltraining ist auch eine Antwort darauf für ein faireres Miteinander mit dem Tier.
Sportmentaltraining ist kein Trend, sondern eine Grundlage und sollte genauso normal sein, wie physisches Training.
Dein Pferd spiegelt, was du fühlst
Pferde sind Fluchttiere. Ihr Überleben hat über Jahrtausende davon abgehangen, kleinste Veränderungen in ihrer Umgebung sofort zu spüren und zu verarbeiten – Körperspannung, Atemrhythmus, Herzfrequenz, Energie. Das gilt auch für dich als Reiter. Dein Pferd registriert, wie es dir geht oft schon bevor du es selbst weißt.
Das ist eine der faszinierendsten Eigenschaften dieser Tiere. Und eine der wertvollsten.
Wenn du entspannt und klar in die Showarena einreitest, spürt dein Pferd genau das. Deine Hilfen kommen ruhig, präzise, verlässlich und dein Pferd kann sich darauf einlassen und vor allem verlassen. Umgekehrt gilt das genauso: Innere Anspannung, flacher Atem, verkrampfte Muskeln übertragen sind Signale für dein Pferd, dass etwaas nicht stimmen kann. Das Pferd wird unruhiger, reagiert überempfindlich und macht Fehler, die es im Training nie machen würde.
Das ist kein Fehler deines Pferdes, sondern es ist eine Information über dich.
Und das ist im Grunde eine gute Nachricht. Denn das bedeutet: Du hast Einfluss. Nicht indem du dein Pferd anders trainierst, sondern indem du an dir selbst arbeitest. Der Reitsport ist kein Einzelsport. Er ist eine Partnerschaft zwischen zwei Lebewesen.
Je bewusster du mit deiner eigenen inneren Haltung umgehst, desto verlässlicher wirst du als Partner für dein Pferd gerade unter Druck in der Prüfung.
Was in dir passiert, wenn du in die Showarena einreitest
Lampenfieber ist keine Schwäche. Es ist Biologie.
Wenn dein Gehirn eine Situation als bedeutsam und potenziell herausfordernd einstuft – und ein Turnier ist für unser Nervensystem genau das – aktiviert es die sogenannte Stressachse: Die Amygdala, das emotionale Alarmsystem im Gehirn, schlägt Alarm. Die Nebennieren schütten Adrenalin und Cortisol aus. Innerhalb von Sekunden passiert folgendes in deinem Körper:
Was Adrenalin in deinem Körper auslöst
Das Problem: Genau der Teil des Gehirns, der für feinsinniges Reiten gebraucht wird, funktioniert unter starkem Stress am schlechtesten. Das lässt sich trainieren.
Das letzte ist entscheidend: Genau der Teil des Gehirns, der für präzises, feinfühliges Reiten gebraucht wird – für das Timing einer Hilfe, das Erspüren des Pferdes, das ruhige Anpassen im Moment – funktioniert unter starkem Stress schlechter. Der Körper ist im sogenannten Fight-or-Flight-Modus. Das ist gut gemeint – für den Kampf oder die Flucht. Für das Reiten in der Showarena ist es Gift.
Dazu kommen die inneren Selbstgespräche. Du kennst sie:
- „Nur keinen Fehler machen.“
- „Die anderen sind alle besser als ich.“
- „Mein Pferd ist heute unruhig, ich spür’s schon.“
- „Was denken die Richter bloß von mir?“
Jeder dieser Sätze kostet Konzentration – und verstärkt die Stressreaktion weiter.
Das Tückische: Du merkst oft nicht, dass du diese Gedanken hast. Sie laufen im Hintergrund – automatisch, wie ein Programm, das du nie bewusst gestartet hast. Und dein Körper reagiert darauf, ohne zu fragen ob der Gedanke wahr ist oder hilfreich.
Das Gute: Dieses Programm lässt sich umprogrammieren. Nicht durch Willenskraft. Nicht durch „einfach entspannt sein“. Sondern durch gezieltes Training. Genauso wie du einen Stop oder Spin trainierst – Wiederholung für Wiederholung, bis er sitzt – trainierst du im Sportmentaltraining deine innere Reaktion auf Drucksituationen.
Und irgendwann reagierst du nicht mehr – du handelst.
Sportmentaltraining: So normal wie Reitunterricht
Sportmentaltraining ist das gezielte Training mentaler Fähigkeiten wie Konzentration, Selbstregulation, Umgang mit Druck, Körperwahrnehmung, Visualisierung mit dem Ziel, im entscheidenden Moment die eigene Bestleistung zuverlässig abrufen zu können.
Und es ist wichtig zu verstehen, was Sportmentaltraining nicht ist, denn diese Begriffe werden oft verwechselt:
Sportmentaltraining ist Handwerk. Erlernbar. Trainierbar. Für jeden, vom Freizeitreiter bis zum Profi.
Stell dir vor, du würdest deinen Körper trainieren, aber nie dein Gleichgewicht. Oder du würdest an deinem Sitz arbeiten, aber nie an deinen Hilfen. Es würde sich lückenhaft anfühlen. Genauso lückenhaft ist reiterliche Ausbildung ohne mentale Ausbildung – besonders im Umgang mit einem Pferd, das dich fühlt, bevor du selbst weißt, was du fühlst.
Was du konkret trainieren kannst: Die 3 Säulen
Sportmentaltraining ist kein einziges Werkzeug, sondern es ist ein System. Bei mentalgut.com arbeite ich mit drei Schwerpunkten, die logisch aufeinander aufbauen. Desewegen starten wir bei der inneren Grundlage und gehen dann immer weiter in die Tiefe.
Die 3 Säulen des Sportmentaltrainings
Reihenfolge bewusst gewählt: Von der inneren Grundlage (Säule 1) über die Wettkampfanwendung (Säule 2) zur anspruchsvollsten Vertiefung (Säule 3).
Säule 1: Mentale Stärke aufbauen
Der sinnvollste Einstieg und für die meisten Reiter der dringendste Schritt. Mentale Stärke ist kein Talent, sindern ein Muskel, der trainiert werden kann und muss.
Konkret bedeutet das: Selbstgespräche, die dir helfen statt dich zu blockieren. Visualisierungen, die dein Gehirn auf Erfolg ausrichten. Entspannungstechniken, die du in der Pause zwischen zwei Prüfungen wirklich anwenden kannst. Und Resilienz – die Fähigkeit, nach einem schwierigen Ritt wieder aufzustehen, etwas daraus zu lernen und beim nächsten Start neu anzufangen.
Dieser Bereich wirkt unmittelbar und zwar im Alltag genauso wie im Wettkampf.
Säule 2: Mentale Wettkampfvorbereitung
„Warum klappt es im Training, aber nicht auf dem Turnier?“
Das ist die Frage, die ich am häufigsten höre. Die Antwort liegt selten beim Pferd.
Mentale Wettkampfvorbereitung beginnt nicht am Turniertag. Sie beginnt Wochen vorher – mit der richtigen Jahresplanung, mit Konzentrationsroutinen, mit Warm-up-Abläufen, die dir und deinem Pferd signalisieren: Jetzt ist Prüfung. Mit dem LEA-Prinzip für Pausen zwischen Starts. Mit Handlungsplänen für den Fall, dass etwas nicht läuft wie geplant. Und mit einer gesunden Routine für die Reflexion danach.
→ Mehr dazu in Cluster B: Mentale Wettkampfvorbereitung
Säule 3: Mentales Techniktraining
Das ist die anspruchsvollste Säule – und gleichzeitig die, die auf dem Turnierparcours den Unterschied macht. Mentales Techniktraining ist nicht für jeden sofort der richtige Einstieg, aber für alle, die ihre Disziplin auf das nächste Level bringen wollen, unverzichtbar.
Es geht darum, Bewegungsabläufe nicht nur körperlich, sondern auch mental so tief zu verankern, dass sie in der Showarena automatisch abrufbar sind – ohne Nachdenken, ohne Verkrampfen, auch wenn Adrenalin und Beobachter im Spiel sind. Die Grundlage ist meine Flow-Pyramide: ein schrittweises Modell, das von der bewussten Technikarbeit bis zum automatisierten Abruf im Wettkampf führt.
→ Mehr dazu in Cluster A: Mentales Techniktraining
Kannst du Sportmentaltraining selbst lernen?
Ja und genau dafür ist dieser Blog da.
Alle Artikel, Übungen und Freebies hier sind echtes Handwerkszeug. Keine Theorie für die Schublade, sondern Methoden, die du heute im Training und morgen im Turnier anwenden kannst. Du kannst dir selbst eine solide Grundlage aufbauen, ohne dass jemand dabei sein muss.
Wer Sportmentaltraining aber wirklich ernst nimmt – wer nicht nur wissen will, was zu tun ist, sondern es auch konsequent umsetzt – kommt an professioneller Begleitung irgendwann nicht mehr vorbei.
Nicht weil du es alleine nicht könntest. Sondern weil blinde Flecken blind bleiben, solange du alleine schaust. Weil konsequente Umsetzung einfacher ist, wenn jemand daneben steht, der die richtigen Fragen stellt. Und weil individuelle Anpassung – an dein Pferd, deine Disziplin, deine Persönlichkeit – etwas ist, das kein Blogbeitrag leisten kann.
Dein erster Schritt – noch heute
Du weißt jetzt, was Sportmentaltraining ist, warum es unverzichtbar ist, und was du damit trainieren kannst. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann du anfängst.
Starte mit dem kostenlosen Guide „Erfolgreich unter Druck“. Er gibt dir die wichtigsten mentalen Werkzeuge für dein nächstes Turnier, und zwar kompakt, sofort anwendbar, und für jeden geeignet.